In diesem Blog veröffentliche ich Buchauszüge, Gedichte und eigene Gedanken zum Thema des inneren Kindes und des Kindseins überhaupt.
Eigentlich haben wir viele innere Kinder in uns: solche voller Energie, aber auch verletzte und sterbende Kinder, die wieder zu wirklichem Leben erweckt sein wollen ...
Ohne lebendige innere Kinder sind Erwachsene ohne wirkliche Individualität und oft nicht fähig zu spielen und kreativ zu sein ... Wie also die Kinder in uns wahrnehmen, wie mit ihnen umgehen?

Donnerstag, 9. Mai 2013

Wie man lernt, sich selbst zu mögen und in der Welt Liebe zu finden. – Aus einer Tibetanischen Weisheit.


Wenn ein Kind kritisiert wird,
lernt es zu verurteilen.

Wenn ein Kind angefeindet wird,
lernt es zu kämpfen.

Wenn ein Kind verspottet wird,
lernt es schüchtern zu sein.

Wenn ein Kind beschämt wird,
lernt es sich schuldig zu fühlen.


Wenn ein Kind verstanden und toleriert wird,
lernt es geduldig zu sein.

Wenn ein Kind ermutigt wird,
lernt es, sich selbst zu vertrauen.

Wenn ein Kind gelobt wird,
lernt es, sich selbst zu schätzen.

Wenn ein Kind gerecht behandelt wird,
lernt es, gerecht zu sein.

Wenn ein Kind geborgen lebt,
lernt es zu vertrauen.

Wenn ein Kind anerkannt wird,
lernt es, sich selbst zu mögen.

Wenn ein Kind in Freundschaft angenommen wird,
lernt es, in der Welt Liebe zu finden.

Tibetanische Weisheit
zitiert nach Anne Heintze

Dienstag, 30. April 2013

Warum Momo rückwärts zu Meister Hora ins Niemand-Haus geht – Über die notwendige Wiederbegegnung mit unseren inneren Kindern.

Darüber, dass wir in Momo gewissermaßen einem inneren Kind von uns begegnen, unserem heilen inneren Kind, das so wunderbare Eigenschaften hat, unter anderem, dass es so zuhören kann, dass andere allein vom Zuhören heil werden, habe ich in diesem Blog schon an der ein und anderen Stelle geschrieben.
Mit dem Heil-Werden unserer vielen verletzten inneren Kinder (nur scheinbar sind es bei manchen wenige ...!) beschäftigt sich auch dieser Post. Denn auf dem Weg zurück sitzen, liegen, stehen sie – die vielen Verletzten, von denen wir oft nichts wissen, die aber von uns erlöst werden wollen – am Wegrand, wartend, dass wir uns ihnen zuwenden und rufen, komm mit!

Doch nun zu Momo in Sachen Niemand-Haus, Niemals-Gasse und Meister Hora:


Heute scheint es mir logisch, lange Zeit war es mir nicht so recht klar, warum Michael Ende Momo rückwärts zum Nirgend-Haus gehen lässt. Genauer gesagt war es ja so, dass Momo in der Niemals-Gasse fast gescheitert wäre, wäre die Schildkröte Kassiopeia nicht zurückgekommen und hätte Momo auf ihrem Panzer lesen lassen:"RÜCKWÄRTS GEHEN!"

Bei Michael Ende heißt es da:

Momo versuchte es. Sie drehte sich um und ging rückwärts. Und plötzlich gelang es ihr, ohne jede Schwierigkeit weiterzukommen. Aber es war höchst merkwürdig, was dabei mit ihr geschah. Während sie nämlich so rückwärts ging, dachte sie zugleich auch rückwärts, sie atmete rückwärts, sie empfand rückwärts, kurz - sie lebte rückwärts!

Momo gelangt auf diese Weise zu Meister Secundus Minutius Hora, dem Meister der Zeit.

Heute glaube ich zu wissen, was es mit diesem Rückwärtsgehen auf sich hat und ich verdanke das den Posts und den erneuten Beschäftigungen mit dem Thema Nahtod und Tod, die am letzten Tag des vergangenen Jahres auf meiner EthikPost begannen mit Wenn Sterbende nach oben sehen (I)
In diesem Zusammenhang hatte ich mich ja auch wieder etwas eingelesen in Raymond A. Moodys Leben nach dem Tod, in dem jener auf zwölf mögliche Elemente, wie sie im Rahmen von Nahtod-Erfahrungen vorkommen, eingeht; eines dieser Möglichkeiten von Erlebnissen, die Menschen mit Nahtod-Erfahrung haben, ist der Lebensfilm: Manche haben dabei bekanntlich den Eindruck, dass sie Stationen ihres Lebens wie gleichzeitig sehen, andere nehmen eher einen allerdings extrem schnell ablaufenden Film wahr.

Wie auch immer, jedenfalls wurde mir schlagartig klar, was es bedeutet, dass Momo rückwärts zu Meister Hora geht, denn es gibt zwei Möglichkeiten, sich dem Niemals-Haus zu nähern:

Die erste ist die des Lebensfilms.
Wir sehen ihn im Rahmen möglicher Nahtoderlebnisse, wir sehen ihn auch, so glaube ich, wenn wir real gestorben sind. Uns wird das Buch des Lebens aufgeschlagen. Rückwärts in der Zeit gehend bis hin zu unserem irdischen Ursprung konfrontieren wir uns mit dem, was war.
Ich persönlich bin der Auffassung, dass wir zwischen unseren Leben das vergangene aufarbeiten und für das nächste Leben ein Skript entwerfen, das unser Bewusstsein weiter bringt – von dem traditionellen Karma-Gedanken halte ich nicht so viel bis wenig; es geht nicht, darum Schuld zu büßen, es geht nicht um eine Form der Vergeltung, sondern es geht darum, wie wir bestimmte Entwicklungsschritte machen. Auf diesem Hintergrund entscheidet sich, wo und unter welchen Bedingungen Menschen wieder inkarnieren; sicherlich hängen auch bestimmte seelische Lernprogramme mit bestimmten Menschen zusammen. Ich stelle mir z.B. vor, dass nicht wenige werdende Mütter, die abgetrieben haben, dieser Seele, die durch sie nicht zur Welt kommen konnte, dennoch begegnen, weil sie mit einer anderen Mutter - oder derselben, nur später - nur Welt kam. Vorstellbar, dass beider Begegnungen keine einfache wird, denn der Brunnen ihrer Seele weiß um alles Geschehen. – Dies kann noch in demselben Leben geschehen oder in einem späteren.

Die zweite Möglichkeit ist, dass wir - und dies ist gewiss eine äußerst intensive Arbeit mit sich selbst - in unserem derzeitigen Leben in unserem Bewusstsein zurückgehen bis zu unserer Geburt und aufarbeiten, was alles geschehen ist. Das schließt beispielsweise ein, dass wir die verletzten inneren Kinder, die zu beiden Seiten unseres Lebensweges ihr Leben in dunklen Nischen fristen, hervorholen und wieder integrieren, indem uns bewusst wird, wie es zu der Verletzung kam, die dazu geführt hat, das ein Teil sich von uns abspaltete.

Deshalb heißt es in der Bibel - und es ist eine Facette der Bedeutung dieser Aussage -, dass wir nur in den Himmel kommen, wenn wir wieder werden wie Kinder. Wörtlich spricht Jesus von dem Königreich der Himmel, er sagt also, 
dass wir nur in das Königreich der Himmel kommen, wenn wir wieder werden wie Kinder. Wie öfters gibt Luther den Plural von Himmel bedauerlicherweise nur im Singular wieder.
Momo steht beispielhaft für ein solches Kind.

Das Königreich der Himmel, das ist ein Bewusstseinszustand.
In ihn gelangen nur Kinder - oder im Sinne Michael Endes: nur Erwachsene, die rückwärts gehen können.
Momo geht übrigens, bevor sie rückwärts geht, sehr langsam, sie geht vorwärts, aber sehr langsam; auch dies ist kein Zufall, denn wir müssen, wenn wir rückwärts gehen wollen, aus der Hektik der Zeit herauskommen, müssen in unserem Inneren zur Ruhe kommen, bewusst langsam gehen; deshalb unter anderem war für Karlfried Graf Dürckheim das Zen-Gehen so wichtig. Es ist ein extrem langsames, bewusstes Gehen.
Wenn es uns auf der Erde gelingt, zu diesem inneren Kind zurückzugelangen, das so unversehrt in der Krippe Bethlehems lag wie es nun auch über zweitausend Jahre späte in jedem von uns ruht - dafür steht Weihnachten auch -, dann sind wir an der Quelle unseres Seins, vertrauen dem göttlich Weiblichen und dem göttlich Männlichen, wofür Maria und Joseph stehen; in den Märchen stehen der gute König und die Königin dafür zu den Zeiten des Es war einmal, einem Zustand, den wir auf neue Weise erreichen wollen, oder, wie es T.S. Eliot in Four Quartets formuliert:

Und am Ende all unserer Forschungen werden wir da ankommen,
wo wir angefan­gen haben,
und werden den Ort zum ersten Mal erken­nen.

Während wir rückwärts gehen, blicken wir nach vorn, denn wir leben unser Leben, aber unser Bewusstsein geht zurück, notwendigerweise, doch vertrauensvoll wenden wir uns den Rücken zu. Wie wir in unserer Lebenszeit vorwärts gegangen sind, ganz entsprechend unseren menschlichen Lebensbedingungen, gehen wir nun zurück, ungewohnt, auf neue Weise sehend, fühlend


Vertrauensvoll können wir zurückgehen, denn das sind wir selbst, zu dem wir gelangen. Liebend erwarten uns unsere inneren Eltern, für die Maria und Josef stehen, die einiges mit unseren realen Eltern gemein haben  können, in manchen Fällen aber auch sehr wenig. Jedenfalls, die inneren Eltern unserer geistigen Familie lieben aus ganzem Herzen.

Eine solche Liebe suchen wir.
Wenn wir sie finden, ist es das Königreich der Himmel, der Himmel auf Erden.

Donnerstag, 11. April 2013

Der raffgierigen Nahrungsmittelindustrie Paroli bieten - eine AVAAZ-Aktion unterstützen!


Es ist unfassbar, doch Monsanto & Co. schlagen wieder zu. Die profitgierigen Biotech-Firmen wollen etwas für sich allein beanspruchen, was uns allen gehört: Unsere Lebensmittel! Alltägliche Obst- und Gemüsesorten, wie Gurken, Broccoli und Melonen, wollen sie patentieren und Züchter dazu zwingen, sie zu bezahlen oder eine Anklage zu riskieren, wenn sie es nicht tun.

Noch können wir sie davon abhalten, Mutter Erde aufzukaufen. Firmen wie Monsanto haben Lücken im EU-Recht gefunden, um mit ihrem Plan durchzukommen. Wir müssen diese Lücken also schließen, bevor ein gefährlicher, globaler Präzedenzfall geschaffen wird. Dafür müssen entscheidende Länder wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande -- wo der Widerstand bereits wächst -- eine Abstimmung fordern, um Monsantos Pläne aufzuhalten.

Eine AVAAZ-Initiative unterstützen:

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Sonntag, 31. März 2013

"Ich war tot und sieh ich lebe; / leben, leben sollst auch Du" – eine Kindheitserinnerung


Guercino (1591-1666): Der ungläubige Thomas

Dank meiner Eltern durfte - oder sagen wir: musste - ich jeden Sonntag in die Kirche gehen. Ihre Religiosität war für mich oft ziemlich qualvoll, wohl, weil ich schon damals unbewusst wusste, dass manche Leute so religiös tun, weil sie die eigene Lieblosigkeit durch die Liebe Gottes kaschieren wollen - fatal für ein Kind, das diese Lieblosigkeit spürt und sie doch für Liebe halten muss, erst recht, weil es doch nicht sein kann, dass der liebe Gott von Eltern verehrt und angebetet wird, die diese Liebe gar nicht in sich tragen.
Ich würde nie, wie Tilman Moser sein Buch, das auf diese sogenannte religiöse Erziehung eingeht und die Ängste, die sie erzeugt, Gottesvergiftung nennen. Denn solch ein Wort setzt sich wie ein Mantra im Unbewussten fest. Und ob man an Gott glaubt oder nicht: Ersterer kann nichts für die Lieblosigkeit von Menschen.
Heute sehe ich natürlich auch, dass meine Eltern nur das "Liebe" nennen konnten, was ihnen aufgrund ihres Elternhaus möglich war. In einer Familienaufstellung musste ich erkennen, dass in meiner Familie niemand, weder meine Schwestern noch meine Eltern, mich anschauten. Im Grunde prägt das ein Kind, wenn es nicht aufgearbeitet werden kann, bis an sein Lebensende, die Tatsache nämlich, die es aus diesem Tatbestand schließt, dass es nicht wert ist, angeschaut zu werden. – Am besten scheint doch zu sein, jeder guckt in seine Richtung.

Im Nachhinein positiv für mich ist, dass ich aufgrund meiner religiösen Erziehung eine Bibelkenntnis besitze, die manchem Theologen gut anstünde. Und die Bibel ist, wenn auch an der ein oder anderen Stelle von Luther unsachgemäß übersetzt und womöglich auch an der ein oder anderen Stelle gefälscht, ein Buch höchster Weisheit und höchster Liebe, allein, wenn ich an das Hohelied Salomos denke, eines der schönsten Liebeslieder, die wir Menschen besitzen.

Es gibt auch Momente im Rahmen dieser Erziehnung, die mich bis heute - wie ich finde - positiv prägen:
Es gab nämlich einen besonderen Moment im Verlauf des Kirchenjahres, der mir immer einen Schauer über den Rücken hat laufen lassen, und zwar einen gewaltigen, und ich bin sicher, dass ich deshalb extra nochmal nach Frankfurt in die Nord-Ost-Gemeinde fahre, und zwar in den Ostersonntags-Gottesdienst.

An dessen Ende wurde von der Gemeinde nämlich immer ein Lied gesungen, dessen Text in das Gesangbuch eigens für diese Gelegenheit eingeklebt war (hoffentlich heute auch noch) und von einem mittlerweile wenig bekannten Lyriker und evangelischen Prediger stammt, Friedrich Mohn (1762-1830); immerhin ist in Ratingen eine Straße nach ihm benannt, weil er dort zu seiner Zeit tätig war. 

Vertont hat das Lied Karl Gotthelf Gläser (1781-1830); ich fand den Text und die Vertonung unglaublich berührend! – Auch heute geht es mir noch so, wenn Worte und Melodie in mir aufklingen.

Vor allem die letzte Strophe. Und das hat einen ganz simplen und doch wahnsinnig mächtigen Grund:

Die Nord-Ost-Gemeinde hatte sich zu der Zeit, als wir dort in den Gottesdienst gingen, eine neue Orgel zugelegt im Zusammenhang mit dem Neubau der Kirche. Im Nachhinein kommt es mir so vor, als sei diese Orgel für die Kirche sehr großzügig ausgelegt gewesen (ich hoffe, sie gibt es heute noch). Denn wenn der Organist die entsprechenden Register zog, bebten die Kirchenmauern und die Empore schien mir klein und kleiner zu werden und kaum mehr in der Lage, die Orgel tragen zu können.
Jedenfalls: Immer in der letzten Strophe dieses im Folgenden abgedruckten Liedes war das der Fall – ein kurzer geübter Griff des Organisten in die Registratur, und die Kirche verwandelte sich in ein gewaltiges Meer aus Tönen. Auf diesen Moment wartete ich das ganze Jahr: Das war so ein gewaltiger Sound, einfach unglaublich; das muss man erlebt haben, wenn eine große Orgel braust und alles gibt. Das ist Gänsehaut-Feeling. Klar, da muss sich jedes Grab öffnen. 

Ich hatte immer den Eindruck: Nun muss wirklich alles auferstehen. Auch ich! 
Es war ein Moment, es waren Minuten, an die werde ich mich noch im nächsten Leben erinnern.
Ich weiß, zur Auferstehung muss man aufstehen, innerlich und durchaus auch im Außen; Liebe im Fernsehsessel oder vor dem Computer zu verstecken, dafür ist das Leben zu schade (Marie Luise Kaschnitz hat, wie ich finde, ein bemerkenswertes Gedicht dazu geschrieben).

Hier nun der Lied-Text:

Auferstanden,
auferstanden ist der Herr
|: und in ewgem Lichtgewande
der Verklärung wandelt er. :|

Keiner bebe!
Der Erhöhte ruft uns zu:
|: Ich war tot und sieh ich lebe;
leben, leben sollst auch du. :|

O ihr Gräber, 
nein vor euch erbeb ich nicht,
|: weil des Höhern Lebens Gabe
euch erhellt mit seinem Licht. :|

Und nun das Brausen wie vom Himmel :-)

Auferstehen, 
auferstehen werd auch ich
|: und den Auferstandnen sehen,
denn er kommt und wecket mich. :|


2013 ist ein besonderes Ostern: Es ist so kalt wie seit Jahrzehnten nicht mehr und für mich, der ich daran glaube, dass uns zufällt, was wir selbst bewirken, ist dies kein "Zufall".
Ich vermute, dass viele Menschen auf der bewussten oder auch unbewussten Ebene darum wissen, was das zu bedeuten hat: In Wirklichkeit ist es der Liebe so kalt, so sehr friert sie, selbst an Ostern! (Hier habe ich dazu mehr geschrieben).

Wie notwendig, dass die Liebe in uns aufersteht! Nicht die Liebe, die wir für eine solche halten, sondern die Liebe, die Leben bedeutet und von der damit gerade in obigem Lied die Rede ist.

Samstag, 23. März 2013

Schandtat im "Paradies" – ein 15-jähriges Mädchen retten helfen!


Ein 15-jähriges Vergewaltigungsopfer ist zu 100 öffentlichen Peitschenhieben verurteilt worden! Helfen wir, diesen Wahnsinn zu beenden.

Der Stiefvater des Mädchens soll sie über Jahre hinweg vergewaltigt und ihr Kind getötet haben. Nun sagt das Gericht, dass sie wegen “außerehelichen Geschlechtsverkehrs” ausgepeitscht werden muss! 

Bitte

  ⤷ über AVAAZ helfen! ⤶

Momentan schon 993 469 Unterschriften - weltweite Menschlichkeit!

Freitag, 8. März 2013

Wenn Kleinkinder lernen, sich um ihre Eltern zu kümmern. – Über gestörte Familienordnungen.


Das Thema, das Hans Jellouschek zu Beginn seines Buches Wie Partnerschaft gelingt – Spielregeln der Liebe anspricht, ist eines, das unserer Gesellschaft auf den Nägeln brennt und das mich immer wieder beschäftigt hat und es noch immer tut, weil ich seine Auswirkungen auch in der Schule im Unglücklichsein zu vieler Kinder widergespiegelt sehe.

Es geht um Ordnungen der Liebe, wie Jellouschek in Anlehnung an Bert Hellingers Buch Ordnungen der Liebe (nicht kaufen, es gibt zum Thema Familienaufstellungen mittlerweile leseleichtere) formuliert.

Familien brauchen eine Ordnung und Liebe braucht eine Ordnung, auch wenn wir mehr als gern zulassen, dass sie auch in der Lage sein darf, alle Regeln zu sprengen.

Der Kosmos der Liebe braucht Ordnung. Nicht von ungefähr lautet ja die Übersetzung des griechischen Wortes Kosmos >Ordnung<; und dann bedeutet es noch >Glanz<. 

Ordnung, so sehr manche daran zweifeln mögen, bringt Glanz mit sich.

Wie sich Unordnung in Familien einschleicht, vermittelt Jellouschek mit Hilfe der Inhaltsschilderung eines Videos, das er auf einem Therapie-Kongress sah:


Man konnte beobachten, wie eine Dreiergruppe, (..) bestehend aus Mutter, Vater und Kleinkind, miteinander umging. Die Mutter spielte gerade intensiv mit dem Kind. Dann wurde es ihr offensichtlich zu anstrengend oder langweilig. Sie wollte an den Vater abgeben, aber der hielt sich raus. Er merkte gar nicht, daß es jetzt an ihm gewesen wäre, „zu übernehmen". Nach weiteren vergeblichen Versuchen lehnte sich die Mutter mit einem tiefen Seufzer zurück. Und was machte das Baby? Zuerst war es irritiert, dann wollte es selbst mit dem Vater „anbändeln" und diesen „ranholen". Als der aber weiterhin nicht reagierte, schaute es zur Mutter hin und seufzte ebenfalls tief, so als wollte es sagen: „Gell, du bist jetzt müde, du Arme!" Das kleine Kind hatte in dieser Familie also bereits gelernt, sich um die Mutter zu kümmern, wenn es ihr nicht gut ging und der Vater nicht aktiv wurde. Eigentlich wäre das ja seine Aufgabe gewesen. Aber weil er nicht reagierte, sprang das Kind für ihn ein. Was hier „lief, machte die Forscherin mit einem provokanten Dia deutlich: Auf einer Foto-Kollage war eine Riesen-Baby zu sehen, das eine baby-kleine Mutter auf seinem Arm trug!

Jellouschek folgert darauf:

Kinder brauchen Zugang zu beiden Eltern. In unserem Beispiel macht sich der Vater für das Kind nicht erreichbar. Er bleibt „draußen". Wenn das nicht nur ab und zu einmal der Fall ist, sondern immer wieder, hat das mehrere schwierige Folgen: erstens ist das Kind immer nur auf die Mutter angewiesen. Dadurch entsteht eine zu enge Bindung zu ihr. Zweitens wird der Vater auf diese Weise allmählich aus dem Familienverband emotional ausgeschlossen, oder er schließt sich, wie in unserem Beispiel, selbst aus. Er bringt vielleicht noch das Geld nach Hause, tritt vielleicht noch als Belohner und Bestrafer in Erscheinung, aber sonst ist er „out". Kinder mit „zu viel Mutter" und „zu wenig Vater" zeigen typische Entwicklungsstörungen und kommen später einmal nicht gut zurecht. Darunter leidet aber drittens auch die Paarbeziehung: Die Mutter fühlt sich alleingelassen, und den Vater erlebt sie in bezug auf die Kinder als inkompetent. Der Vater wiederum fühlt sich abgewertet und unwichtig. Alles, was die Kinder angeht, läuft über seine Frau. Schließlich - viertens -fangen in solchen Fällen Kinder schon sehr früh mit dem an, was auf dem Video überdeutlich zu sehen war: Sie kümmern sich um die Bedürftigkeit der Mutter, werden also gleichsam zu „Müttern" oder Partnern der Mutter, was sie natürlich überfordert und sich darum auf ihre weitere Entwicklung ebenfalls negativ auswirkt.

Die hier besprochene Störung der „Ordnung" in Familien tritt besonders häufig auf, wenn sich die Männer total von ihrer Berufsarbeit auffressen lassen und die Frauen zu sehr auf die Familie als ihr einziges Kontaktfeld fixiert sind. Es braucht dann große Anstrengung, damit sich nicht das Muster „Frau mit den Kindern — Vater out" einspielt. Noch brisanter wird es, wenn Eheleute sich trennen und ein Elternteil, meist der Vater, außerhalb des Familienverbandes lebt. Dann ist besonderes Augenmerk darauf zu legen, daß die Kinder regelmäßigen Kontakt zu ihm haben, sonst stellt sich dieses Muster fast unausweichlich ein.

Natürlich hat dieses Muster, dieses Geschehen auch Folgen für die Liebesbeziehung der Eltern.
Auch darauf geht der Autor ein. 
Ich tue es in einem folgenden Post. Was mich sehr bewegt, ist, wie hier klar wird, wie früh schon Kinder in ein bestimmtes Verhältnis zu ihren Eltern geraten können. Schrecklich, wenn ein Kind so früh aufgrund elterlicher Inkompetenz bzw. fehlenden Bewusstseins darauf getrimmt wird, Erwachsene, wohl oft dreißig Jahre älter, zu bemuttern.
Ein Muster, das das Kind an seine Kinder mit ziemlicher Sicherheit weitergibt.

Die Frage ist, inwieweit es in uns ist.


Wie die oben geschilderte Problematik überwinden, die tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist? 

Schiller hat in seinem Lied von der Glocke nicht geahnt, dass die Realität seiner Worte 200 Jahre später zum Problem moderner Gesellschaften werden könnte, weil sich die Menschen weiterentwickelt haben. In jener Ballade heißt es:

Der Mann muss hinaus
Ins feindliche Leben,
Muss wirken und streben
Und pflanzen und schaffen,
Erlisten, erraffen,
Muss wetten und wagen,
Das Glück zu erjagen.

Mit welcher Selbstverständlichkeit das Schiller geschrieben hat!
Übrigens kommt es in seinem Gedicht Würde der Frauen
noch dicker:

  Ewig aus der Wahrheit Schranken
  Schweift des Mannes wilde Kraft;
  Unstät treiben die Gedanken
  Auf dem Meer der Leidenschaft;
  Gierig greift er in die Ferne,
  Nimmer wird sein Herz gestillt;
  Rastlos durch entlegne Sterne
  Jagt er seines Traumes Bild.

Feindlich ist des Mannes Streben,
Mit zermalmender Gewalt
Geht der wilde durch das Leben,
Ohne Rast und Aufenthalt.
Was er schuf, zerstört er wieder,
Nimmer ruht der Wünsche Streit,
Nimmer, wie das Haupt der Hyder
Ewig fällt und sich erneut.


Eine Gesellschaft wird dem Mann nicht Pfeil und Bogen aus der Hand nehmen können. Das ist genetisch implimentiert. Wie sagte im Fernsehen ein Wissenschaftler sinngemäß, indem er auf entsprechende Untersuchungen verwies: Geben Sie einem kleinen Jungen Puppen, und er macht daraus Wurfgeschosse. Geben Sie einem kleinen Mädchen Bagger und es badet sie, wickelt sie.

Es gilt, kurz gefasst, Wege zu finden, wie in unserer Gesellschaft beide Geschlechter ihre genetischen Muster leben können, aber nicht auf Kosten des anderen Geschlechts, wie das in der Vergangenheit oft auf Kosten der Frauen geschehen ist.

Wenn man weder Mann noch Frau in Zwangsjacken steckt, gar aus dem Mann einen Softie und aus der Frau eine Hembrista machen will, können beide Muster, beide Geschlechter sich aufeinander zubewegen – mit und in Bewusstsein, weil sie sich die Freiheit zugestehen, sein zu dürfen wie sie sind, und wie sie gegebenenfalls sein wollen, um auch in einer Beziehung glücklich zu sein. 
Auf diesem Weg befindet sich unsere Gesellschaft. 
Betrachten wir die genetischen Muster nicht als Bürde. Sie entsprechen unterschiedlichen Seinsweisen, die es Gott sei Dank gibt, wäre es doch schrecklich, wenn es nur Männer oder nur Frauen gäbe. 
Beide Seinsweisen waren die Grundlage für unser heutiges Sein. Durch sie sind wir dahin gekommen, wo wir heute sind. Und das ist durchaus weit.
Immerhin machen wir uns über sie Gedanken, und nicht nur Gedanken: Wir probieren aus, gehen alte Trampelpfade und neue Wege. Wie wir wollen.

Nun gilt es, weitere wichtige Entwicklungsschritte zu machen, gerade auch deshalb, damit Kinder nicht mehr zu einem Verhalten, wie es oben beschrieben ist, zwangsverpflichtet werden.