In diesem Blog veröffentliche ich Buchauszüge, Gedichte und eigene Gedanken zum Thema des inneren Kindes und des Kindseins überhaupt.
Eigentlich haben wir viele innere Kinder in uns: solche voller Energie, aber auch verletzte und sterbende Kinder, die wieder zu wirklichem Leben erweckt sein wollen ...
Ohne lebendige innere Kinder sind Erwachsene ohne wirkliche Individualität und oft nicht fähig zu spielen und kreativ zu sein ... Wie also die Kinder in uns wahrnehmen, wie mit ihnen umgehen?

Samstag, 15. Juni 2013

"was mit Kindern zu tun hat, gilt, zumindest in Deutschland, immer als zweite oder dritte Kategorie". – Was die Baumgeister Michael Ende so alles flüstern.

was mit Kindern zu tun hat, gilt, zumindest in Deutschland, immer als zweite oder dritte Kategorie — man hat es nicht ganz geschluckt, daß da plötzlich ein Kinderbuchautor in der literarischen Szene auftaucht. Aber eben deswegen, weil es gerade im Kinderbuch möglich ist zu spielen, habe ich zunächst einmal mit dem Kinderbuch angefangen. Nun hat eine Grenzüberschreitung stattgefunden. Diesen Spielcharakter will ich unbedingt beibehalten.

Neuerdings müssen Kinder unbedingt die Renten sichern, insofern sind sie wichtiger geworden; ansonsten weiß Michael Ende wovon er spricht. Es waren seine inneren Kinder, die ihn zum Schreiben brachten; kein Wunder, schrieb er erst einmal Kinderbücher und im Grunde sind Momo und die Unendliche Geschichte ja auch Kinderbücher und Bücher für die inneren Kinder von Erwachsenen.
Deshalb machen sie manche so glücklich, weil ihre inneren Kinder sich wiederfinden und gegebenenfalls so richtig zum Leben erwachen.

Unsere inneren Kinder spielen ständig das Spiel der Phantasie und wenn sie es bei manchen Erwachsenen nicht am Tag dürfen - immer mal wieder wenigstens, natürlich nicht ständig -, dann tun sie es nachts um so intensiver, denn da kann sie der Erwachsene nicht kontrollieren. Der  nur wundert sich dann, dass er immer mal wieder morgens schweißgebadet aufwacht, weil sein kindliches Wesen am liebsten nicht aufwachen möchte in ein Gefängnis hinein, was sein Erwachsener Realität nennt, was sie allerdings  nicht ist, denn die Wirklichkeit ohne Phantasie ist Leblosigkeit.
Oder kennen wir Menschen, die nur mit ihrer linken Kopfhälfte durch die Welt gehen?
Kennen wir Menschen, die nur als rechte Körperhälfte durch die Gegend gehen?
Nein?
Tun aber viele.
Wir nennen das linkshirnig.
Die Linkshirnigkeit, die reine Verstandesorientierung, entspricht der rechten Körperhälfte.
Viele tarnen das nur so geschickt.

Eines nur ist ganz wichtig und absolut bemerkenswert, so wie es Michael Ende formuliert:

Die beiden Welten gehören zusammen, sind aber getrennt. Man kann die eine Ebene nicht auf die andere verschieben. Das hieße — was übrigens in der Unendlichen Geschichte geschieht —, daß man aus Phantasien etwas mit in die Alltagswelt hinübernimmt. Das geht nicht. Nur die Veränderungen, die du selbst in Phantasien erlebst, kannst du mit hinübernehmen, aber nicht die Teile Phantasien selbst. Das gehört mit zu der ganzen Problematik, daß der Mensch eben auf mehreren Ebenen lebt, nicht nur auf einer.

Offensichtlich ist dieser Unterschied wichtig.
Deshalb gibt es in unserem Kopf auch das corpus callosum, die so genannte Brücke, diese Verbindungsstelle im Gehirn zwischen rechter und linker Gehirnhälfte. Wir können nicht die rechte Gehirnhälfte da durchziehen. Das geht nicht und es wäre nicht gut.
Aber wir können in unser reales Leben die Leichtigkeit mitnehmen, die wir in Phantasien lernten. Wir können genauso mitnehmen, dass es Hilfen gibt, die sich unserer Kenntnis entziehen, die sind auf einmal da. Es ist nämlich eine Illusion zu glauben, in Phantasien wäre alles Eiapopeia. Deshalb brauchen wir z.B. den Glücksdrachen Fuchur. Man lese mal die Unendliche Geschichte und wie sich in Phantasien das Nichts ausbreitet. Vergessen wir nicht: Das tut es immer noch !! Wir sind nicht gerettet.
Wir brauchen noch mehr Bastiane, mehr Momos ...

Michael Ende ließ solche Hilfen zu. In einem Gespräch mit Franz Kreuzer erzählt er jenem, dass er gar nicht wusste, als er umzog, dass seine Wohngegend Valle spiriti beati heißt, Tal der seligen Geister.
Dann sagt er:

Ich bin tatsächlich der Meinung, daß in den Bäumen sehr viel mehr lebt als das, was die Naturwissenschaft heute in einem Baum sieht. Der Baum ist eben nicht nur ein chemisches System, der Baum ist ein Lebewesen. Und in alten Zeiten nannte man das die Dryade. Wenn man ein bißchen intensiver mit Bäumen zusammenlebt, merkt man, daß hinter diesen Lebewesen auch etwas Geistiges steckt, etwas real Geistiges. Und ich bin durchaus der Meinung, daß in meinen Bäumen hier Dryaden wohnen.

Kreuzer meint dann:

Es könnte also sein, daß zuerst Sie verzaubert worden sind, ehe Sie dann mit Ihrem Buch Hunderttausende verzaubert haben.

Michael Ende: 

Ich hoffe sehr, daß mir die Dryaden behilflich sind bei dieser Verzauberung.

Lassen wir uns, liebe Leserin, lieber Leser, verzaubern.
Nicht von ungefähr nannte Morris Berman sen Buch Wiederverzauberung der Welt. Das Ende des Newtonschen Zeitalters.
Die Wiederverzauberung brauchen wir, um zu überleben.
Über diese Verzauberung wissen unsere unverletzten inneren Kinder bestens Bescheid.
Nehmen wir uns wieder Zeit, ihnen zu lauschen, was sie erzählen und was sie uns fragen.
Sie stellen keine Bedingungen. Sie sind einfach da.
So wie die seligen Geister.

Samstag, 25. Mai 2013

Wenn die Scham kommt, geht die Freude. - Jede Familie hat ihre eigenen Schamgesetze!


Vor vielen Jahren sitze ich mit meiner Tochter auf einer auf dem Boden ausgebreiteten Decke und wir spielen und balgen; meine Tochter kräht vor Freude, Bälle und Gegenstände fliegen durch die Luft und plötzlich höre ich mich sagen: >Komm, wir hören auf, sonst passiert noch was<.
Dieser Satz verblüffte mich total, denn es war ein Satz aus dem Repertoire meiner Mutter: Immer, wenn ich mit meiner eineinhalb Jahre älteren Schwester als Kind richtig herumtollte, kam dieser Satz oder ein vergleichbarer wie: >Hört auf, gleich gibt es ein Unglück!<
Heute wundert es mich nicht mehr, dass dann meistens auch etwas passierte, was unser Spiel abrupt unterbrach und meine Mutter entsprechend zetern ließ.
Wie es auch immer ausging: Dieser Satz bedeutete das Ende der Freude.

An anderer Stelle habe ich schon kurz über das Elternhaus meiner Mutter geschrieben; dort gab es keine Ausgelassenheit, keine Freude, die auch einmal überborden durfte …
Warum sollte Freude nicht auch überborden dürfen …
Wie oft schlägt die Gicht des Meeres über die Balustraden und an den Gesteinen der Ufer hoch: auch ein Meer freut sich … so freut sich auch die Seele …
Meiner Mutter war es nicht möglich, die ausgelassene Freude ihrer Kinder zu ertragen; zu groß war der Schmerz, dass diese Freude für sie immer ein Tabu gewesen war; wer sich in ihrem Elternhaus getraut hätte, sie zu zeigen, hätte sich - in übertragenem Sinne oder real - in die Ecke stellen müssen; doch die familiäre Atmosphäre sorgte schon immer dafür, dass in diese Verlegenheit keines der 10 Familienmitglieder kam. 
Diesen Schmerz, keine Freude leben zu dürfen, muss die Seele wegsperren - nur gebremste Freude leben zu dürfen ist unerträglich; so wird dieses Bewusstsein weggesperrt, wird zu einer dunklen Seite des inneren Kindes, die sich in den unterschiedlichsten Formen beim Erwachsenen aktivieren kann, wenn sie ausgelöst wird; bei meiner Mutter wurde sie durch die eigenen KInder ausgelöst.
Sie konnte nicht anders, als deren überbordende Freude zu stornieren.
Alles andere war für ihr verletztes inneres Kind unerträglich.
Eigentlich unfassbar, dass die Freude der eigenen Kinder unerträglich ist; aber der familiäre Hintergrund meiner Mutter macht es verständlich.

Immer wieder aktivieren reale Kinder dunkle Seiten unseres inneren Kindes; deshalb ist dieses Wissen gerade für Lehrer so wichtig.
Da in dem Elternhaus meiner Mutter und entsprechend auch in meinem eigenen eine sehr traditionelle Religiosität gepflegt wurde, hatte Ausgelassenheit auch etwas Verruchtes an sich.

Damals wurde mir schlagartig bewusst, dass ich im Moment dabei war, dieses Scham-Muster an meine Tochter weiterzugeben: Freude, die an Scham gekoppelt und damit aussätzig war.
Wie die Pest!

Als ich mich mit dem Buch Bradshaws über die Scham auseinandersetzte, wurde mir bewusst, dass diese Thematik viel umfassender ist, als ich geahnt hatte, denn Freude gibt es ja nicht nur im Spiel, sondern: es gibt die Spielfreude, es gibt aber auch die Lebensfreude …
Auch Lebensfreude kann storniert werden - durch die Eltern!
Spätestens da wird das Thema existentiell …

Noch ein Nachtrag:
Jede Familie hat ihre eigenen Schamregularien und –gesetze.
Wenn zwei Menschen nun zusammenfinden, treffen auch die Regelsysteme zweier Familien zusammen. Das kann im Bereich der Scham bedeuten, dass sich recht einverständig geschämt wird, weil die Regeln relativ deckungsgleich sind … es muss aber nicht sein … dann gibt´s Probleme.
Nicht selten mag es so sein, dass nicht die Liebe scheitert, sondern dass sich die Scham-Systeme als nicht kompatibel erweisen … aber das ist ein anderes Thema … wie sagte Herr von Briest in Theodor Fontanes Roman Effi Briest, dessen Tochter u.a. an diesem Problem zugrundeging: "Ein weites Feld". 
Deshalb lebte diese Familie auch das "kleine Glück", die kleine Freude. 
Für die Tochter hatte dieses "kleine Glück" zu wenig Lebensenergie; sie starb zu früh. 
Sie trug die 
Scham
 auch ihrer Eltern mit.

Und noch eine Anmerkung:
Ich glaube, dass Mütter unbewusst (oder manchmal sogar bewusst) tatsächlich einen Wohnzimmer-Unfall energetisch inszenieren können.
Für den ein oder anderen mag das übertrieben sein, esoterisch (gemeint in einem abfälligen Sinn).
Aber man frage sich mal, warum jemand - ggf. immer wieder - "zufällig" das Messer mit offener Schneide zum Partner hinlegt oder warum manche Menschen ihre Brille immer auf die Gläser legen. Welcher unbewusste Plan dahintersteckt, so etwas zu tun. 
Menschen sind leider manchmal viel machtvoller, als wir glauben. Jeder kennt Beispiele, wie sehr sich jemand im Beisein eines Anderen oder durch das Zusammensein mit ihm verändert ...
Zugleich aber gilt das Gegenteil: Eine Mutter kann ein wahrer Schutzmantel für ihr Kind sein.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Wie man lernt, sich selbst zu mögen und in der Welt Liebe zu finden. – Aus einer Tibetanischen Weisheit.


Wenn ein Kind kritisiert wird,
lernt es zu verurteilen.

Wenn ein Kind angefeindet wird,
lernt es zu kämpfen.

Wenn ein Kind verspottet wird,
lernt es schüchtern zu sein.

Wenn ein Kind beschämt wird,
lernt es sich schuldig zu fühlen.


Wenn ein Kind verstanden und toleriert wird,
lernt es geduldig zu sein.

Wenn ein Kind ermutigt wird,
lernt es, sich selbst zu vertrauen.

Wenn ein Kind gelobt wird,
lernt es, sich selbst zu schätzen.

Wenn ein Kind gerecht behandelt wird,
lernt es, gerecht zu sein.

Wenn ein Kind geborgen lebt,
lernt es zu vertrauen.

Wenn ein Kind anerkannt wird,
lernt es, sich selbst zu mögen.

Wenn ein Kind in Freundschaft angenommen wird,
lernt es, in der Welt Liebe zu finden.

Tibetanische Weisheit
zitiert nach Anne Heintze

Dienstag, 30. April 2013

Warum Momo rückwärts zu Meister Hora ins Niemand-Haus geht – Über die notwendige Wiederbegegnung mit unseren inneren Kindern.

Darüber, dass wir in Momo gewissermaßen einem inneren Kind von uns begegnen, unserem heilen inneren Kind, das so wunderbare Eigenschaften hat, unter anderem, dass es so zuhören kann, dass andere allein vom Zuhören heil werden, habe ich in diesem Blog schon an der ein und anderen Stelle geschrieben.
Mit dem Heil-Werden unserer vielen verletzten inneren Kinder (nur scheinbar sind es bei manchen wenige ...!) beschäftigt sich auch dieser Post. Denn auf dem Weg zurück sitzen, liegen, stehen sie – die vielen Verletzten, von denen wir oft nichts wissen, die aber von uns erlöst werden wollen – am Wegrand, wartend, dass wir uns ihnen zuwenden und rufen, komm mit!

Doch nun zu Momo in Sachen Niemand-Haus, Niemals-Gasse und Meister Hora:


Heute scheint es mir logisch, lange Zeit war es mir nicht so recht klar, warum Michael Ende Momo rückwärts zum Nirgend-Haus gehen lässt. Genauer gesagt war es ja so, dass Momo in der Niemals-Gasse fast gescheitert wäre, wäre die Schildkröte Kassiopeia nicht zurückgekommen und hätte Momo auf ihrem Panzer lesen lassen:"RÜCKWÄRTS GEHEN!"

Bei Michael Ende heißt es da:

Momo versuchte es. Sie drehte sich um und ging rückwärts. Und plötzlich gelang es ihr, ohne jede Schwierigkeit weiterzukommen. Aber es war höchst merkwürdig, was dabei mit ihr geschah. Während sie nämlich so rückwärts ging, dachte sie zugleich auch rückwärts, sie atmete rückwärts, sie empfand rückwärts, kurz - sie lebte rückwärts!

Momo gelangt auf diese Weise zu Meister Secundus Minutius Hora, dem Meister der Zeit.

Heute glaube ich zu wissen, was es mit diesem Rückwärtsgehen auf sich hat und ich verdanke das den Posts und den erneuten Beschäftigungen mit dem Thema Nahtod und Tod, die am letzten Tag des vergangenen Jahres auf meiner EthikPost begannen mit Wenn Sterbende nach oben sehen (I)
In diesem Zusammenhang hatte ich mich ja auch wieder etwas eingelesen in Raymond A. Moodys Leben nach dem Tod, in dem jener auf zwölf mögliche Elemente, wie sie im Rahmen von Nahtod-Erfahrungen vorkommen, eingeht; eines dieser Möglichkeiten von Erlebnissen, die Menschen mit Nahtod-Erfahrung haben, ist der Lebensfilm: Manche haben dabei bekanntlich den Eindruck, dass sie Stationen ihres Lebens wie gleichzeitig sehen, andere nehmen eher einen allerdings extrem schnell ablaufenden Film wahr.

Wie auch immer, jedenfalls wurde mir schlagartig klar, was es bedeutet, dass Momo rückwärts zu Meister Hora geht, denn es gibt zwei Möglichkeiten, sich dem Niemals-Haus zu nähern:

Die erste ist die des Lebensfilms.
Wir sehen ihn im Rahmen möglicher Nahtoderlebnisse, wir sehen ihn auch, so glaube ich, wenn wir real gestorben sind. Uns wird das Buch des Lebens aufgeschlagen. Rückwärts in der Zeit gehend bis hin zu unserem irdischen Ursprung konfrontieren wir uns mit dem, was war.
Ich persönlich bin der Auffassung, dass wir zwischen unseren Leben das vergangene aufarbeiten und für das nächste Leben ein Skript entwerfen, das unser Bewusstsein weiter bringt – von dem traditionellen Karma-Gedanken halte ich nicht so viel bis wenig; es geht nicht, darum Schuld zu büßen, es geht nicht um eine Form der Vergeltung, sondern es geht darum, wie wir bestimmte Entwicklungsschritte machen. Auf diesem Hintergrund entscheidet sich, wo und unter welchen Bedingungen Menschen wieder inkarnieren; sicherlich hängen auch bestimmte seelische Lernprogramme mit bestimmten Menschen zusammen. Ich stelle mir z.B. vor, dass nicht wenige werdende Mütter, die abgetrieben haben, dieser Seele, die durch sie nicht zur Welt kommen konnte, dennoch begegnen, weil sie mit einer anderen Mutter - oder derselben, nur später - nur Welt kam. Vorstellbar, dass beider Begegnungen keine einfache wird, denn der Brunnen ihrer Seele weiß um alles Geschehen. – Dies kann noch in demselben Leben geschehen oder in einem späteren.

Die zweite Möglichkeit ist, dass wir - und dies ist gewiss eine äußerst intensive Arbeit mit sich selbst - in unserem derzeitigen Leben in unserem Bewusstsein zurückgehen bis zu unserer Geburt und aufarbeiten, was alles geschehen ist. Das schließt beispielsweise ein, dass wir die verletzten inneren Kinder, die zu beiden Seiten unseres Lebensweges ihr Leben in dunklen Nischen fristen, hervorholen und wieder integrieren, indem uns bewusst wird, wie es zu der Verletzung kam, die dazu geführt hat, das ein Teil sich von uns abspaltete.

Deshalb heißt es in der Bibel - und es ist eine Facette der Bedeutung dieser Aussage -, dass wir nur in den Himmel kommen, wenn wir wieder werden wie Kinder. Wörtlich spricht Jesus von dem Königreich der Himmel, er sagt also, 
dass wir nur in das Königreich der Himmel kommen, wenn wir wieder werden wie Kinder. Wie öfters gibt Luther den Plural von Himmel bedauerlicherweise nur im Singular wieder.
Momo steht beispielhaft für ein solches Kind.

Das Königreich der Himmel, das ist ein Bewusstseinszustand.
In ihn gelangen nur Kinder - oder im Sinne Michael Endes: nur Erwachsene, die rückwärts gehen können.
Momo geht übrigens, bevor sie rückwärts geht, sehr langsam, sie geht vorwärts, aber sehr langsam; auch dies ist kein Zufall, denn wir müssen, wenn wir rückwärts gehen wollen, aus der Hektik der Zeit herauskommen, müssen in unserem Inneren zur Ruhe kommen, bewusst langsam gehen; deshalb unter anderem war für Karlfried Graf Dürckheim das Zen-Gehen so wichtig. Es ist ein extrem langsames, bewusstes Gehen.
Wenn es uns auf der Erde gelingt, zu diesem inneren Kind zurückzugelangen, das so unversehrt in der Krippe Bethlehems lag wie es nun auch über zweitausend Jahre späte in jedem von uns ruht - dafür steht Weihnachten auch -, dann sind wir an der Quelle unseres Seins, vertrauen dem göttlich Weiblichen und dem göttlich Männlichen, wofür Maria und Joseph stehen; in den Märchen stehen der gute König und die Königin dafür zu den Zeiten des Es war einmal, einem Zustand, den wir auf neue Weise erreichen wollen, oder, wie es T.S. Eliot in Four Quartets formuliert:

Und am Ende all unserer Forschungen werden wir da ankommen,
wo wir angefan­gen haben,
und werden den Ort zum ersten Mal erken­nen.

Während wir rückwärts gehen, blicken wir nach vorn, denn wir leben unser Leben, aber unser Bewusstsein geht zurück, notwendigerweise, doch vertrauensvoll wenden wir uns den Rücken zu. Wie wir in unserer Lebenszeit vorwärts gegangen sind, ganz entsprechend unseren menschlichen Lebensbedingungen, gehen wir nun zurück, ungewohnt, auf neue Weise sehend, fühlend


Vertrauensvoll können wir zurückgehen, denn das sind wir selbst, zu dem wir gelangen. Liebend erwarten uns unsere inneren Eltern, für die Maria und Josef stehen, die einiges mit unseren realen Eltern gemein haben  können, in manchen Fällen aber auch sehr wenig. Jedenfalls, die inneren Eltern unserer geistigen Familie lieben aus ganzem Herzen.

Eine solche Liebe suchen wir.
Wenn wir sie finden, ist es das Königreich der Himmel, der Himmel auf Erden.

Donnerstag, 11. April 2013

Der raffgierigen Nahrungsmittelindustrie Paroli bieten - eine AVAAZ-Aktion unterstützen!


Es ist unfassbar, doch Monsanto & Co. schlagen wieder zu. Die profitgierigen Biotech-Firmen wollen etwas für sich allein beanspruchen, was uns allen gehört: Unsere Lebensmittel! Alltägliche Obst- und Gemüsesorten, wie Gurken, Broccoli und Melonen, wollen sie patentieren und Züchter dazu zwingen, sie zu bezahlen oder eine Anklage zu riskieren, wenn sie es nicht tun.

Noch können wir sie davon abhalten, Mutter Erde aufzukaufen. Firmen wie Monsanto haben Lücken im EU-Recht gefunden, um mit ihrem Plan durchzukommen. Wir müssen diese Lücken also schließen, bevor ein gefährlicher, globaler Präzedenzfall geschaffen wird. Dafür müssen entscheidende Länder wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande -- wo der Widerstand bereits wächst -- eine Abstimmung fordern, um Monsantos Pläne aufzuhalten.

Eine AVAAZ-Initiative unterstützen:

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Sonntag, 31. März 2013

"Ich war tot und sieh ich lebe; / leben, leben sollst auch Du" – eine Kindheitserinnerung


Guercino (1591-1666): Der ungläubige Thomas

Dank meiner Eltern durfte - oder sagen wir: musste - ich jeden Sonntag in die Kirche gehen. Ihre Religiosität war für mich oft ziemlich qualvoll, wohl, weil ich schon damals unbewusst wusste, dass manche Leute so religiös tun, weil sie die eigene Lieblosigkeit durch die Liebe Gottes kaschieren wollen - fatal für ein Kind, das diese Lieblosigkeit spürt und sie doch für Liebe halten muss, erst recht, weil es doch nicht sein kann, dass der liebe Gott von Eltern verehrt und angebetet wird, die diese Liebe gar nicht in sich tragen.
Ich würde nie, wie Tilman Moser sein Buch, das auf diese sogenannte religiöse Erziehung eingeht und die Ängste, die sie erzeugt, Gottesvergiftung nennen. Denn solch ein Wort setzt sich wie ein Mantra im Unbewussten fest. Und ob man an Gott glaubt oder nicht: Ersterer kann nichts für die Lieblosigkeit von Menschen.
Heute sehe ich natürlich auch, dass meine Eltern nur das "Liebe" nennen konnten, was ihnen aufgrund ihres Elternhaus möglich war. In einer Familienaufstellung musste ich erkennen, dass in meiner Familie niemand, weder meine Schwestern noch meine Eltern, mich anschauten. Im Grunde prägt das ein Kind, wenn es nicht aufgearbeitet werden kann, bis an sein Lebensende, die Tatsache nämlich, die es aus diesem Tatbestand schließt, dass es nicht wert ist, angeschaut zu werden. – Am besten scheint doch zu sein, jeder guckt in seine Richtung.

Im Nachhinein positiv für mich ist, dass ich aufgrund meiner religiösen Erziehung eine Bibelkenntnis besitze, die manchem Theologen gut anstünde. Und die Bibel ist, wenn auch an der ein oder anderen Stelle von Luther unsachgemäß übersetzt und womöglich auch an der ein oder anderen Stelle gefälscht, ein Buch höchster Weisheit und höchster Liebe, allein, wenn ich an das Hohelied Salomos denke, eines der schönsten Liebeslieder, die wir Menschen besitzen.

Es gibt auch Momente im Rahmen dieser Erziehnung, die mich bis heute - wie ich finde - positiv prägen:
Es gab nämlich einen besonderen Moment im Verlauf des Kirchenjahres, der mir immer einen Schauer über den Rücken hat laufen lassen, und zwar einen gewaltigen, und ich bin sicher, dass ich deshalb extra nochmal nach Frankfurt in die Nord-Ost-Gemeinde fahre, und zwar in den Ostersonntags-Gottesdienst.

An dessen Ende wurde von der Gemeinde nämlich immer ein Lied gesungen, dessen Text in das Gesangbuch eigens für diese Gelegenheit eingeklebt war (hoffentlich heute auch noch) und von einem mittlerweile wenig bekannten Lyriker und evangelischen Prediger stammt, Friedrich Mohn (1762-1830); immerhin ist in Ratingen eine Straße nach ihm benannt, weil er dort zu seiner Zeit tätig war. 

Vertont hat das Lied Karl Gotthelf Gläser (1781-1830); ich fand den Text und die Vertonung unglaublich berührend! – Auch heute geht es mir noch so, wenn Worte und Melodie in mir aufklingen.

Vor allem die letzte Strophe. Und das hat einen ganz simplen und doch wahnsinnig mächtigen Grund:

Die Nord-Ost-Gemeinde hatte sich zu der Zeit, als wir dort in den Gottesdienst gingen, eine neue Orgel zugelegt im Zusammenhang mit dem Neubau der Kirche. Im Nachhinein kommt es mir so vor, als sei diese Orgel für die Kirche sehr großzügig ausgelegt gewesen (ich hoffe, sie gibt es heute noch). Denn wenn der Organist die entsprechenden Register zog, bebten die Kirchenmauern und die Empore schien mir klein und kleiner zu werden und kaum mehr in der Lage, die Orgel tragen zu können.
Jedenfalls: Immer in der letzten Strophe dieses im Folgenden abgedruckten Liedes war das der Fall – ein kurzer geübter Griff des Organisten in die Registratur, und die Kirche verwandelte sich in ein gewaltiges Meer aus Tönen. Auf diesen Moment wartete ich das ganze Jahr: Das war so ein gewaltiger Sound, einfach unglaublich; das muss man erlebt haben, wenn eine große Orgel braust und alles gibt. Das ist Gänsehaut-Feeling. Klar, da muss sich jedes Grab öffnen. 

Ich hatte immer den Eindruck: Nun muss wirklich alles auferstehen. Auch ich! 
Es war ein Moment, es waren Minuten, an die werde ich mich noch im nächsten Leben erinnern.
Ich weiß, zur Auferstehung muss man aufstehen, innerlich und durchaus auch im Außen; Liebe im Fernsehsessel oder vor dem Computer zu verstecken, dafür ist das Leben zu schade (Marie Luise Kaschnitz hat, wie ich finde, ein bemerkenswertes Gedicht dazu geschrieben).

Hier nun der Lied-Text:

Auferstanden,
auferstanden ist der Herr
|: und in ewgem Lichtgewande
der Verklärung wandelt er. :|

Keiner bebe!
Der Erhöhte ruft uns zu:
|: Ich war tot und sieh ich lebe;
leben, leben sollst auch du. :|

O ihr Gräber, 
nein vor euch erbeb ich nicht,
|: weil des Höhern Lebens Gabe
euch erhellt mit seinem Licht. :|

Und nun das Brausen wie vom Himmel :-)

Auferstehen, 
auferstehen werd auch ich
|: und den Auferstandnen sehen,
denn er kommt und wecket mich. :|


2013 ist ein besonderes Ostern: Es ist so kalt wie seit Jahrzehnten nicht mehr und für mich, der ich daran glaube, dass uns zufällt, was wir selbst bewirken, ist dies kein "Zufall".
Ich vermute, dass viele Menschen auf der bewussten oder auch unbewussten Ebene darum wissen, was das zu bedeuten hat: In Wirklichkeit ist es der Liebe so kalt, so sehr friert sie, selbst an Ostern! (Hier habe ich dazu mehr geschrieben).

Wie notwendig, dass die Liebe in uns aufersteht! Nicht die Liebe, die wir für eine solche halten, sondern die Liebe, die Leben bedeutet und von der damit gerade in obigem Lied die Rede ist.